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Mindestlohn & Gehälter in Wien: Was in welcher Branche verdient wird 2026

Mindestlohn & Gehälter in Wien 2026: Was in welcher Branche verdient wird – kein gesetzlicher Mindestlohn, aber Kollektivvertrag, KV-Mindestlöhne, Durchschnittsgehälter nach Branche und alle Zahlen im Überblick.

Inhaltsverzeichnis

Mindestlohn in Wien existiert – anders als viele glauben – nicht als gesetzliche Zahl: Österreich hat keinen gesetzlichen Mindestlohn (Quelle: AMS/Sozialministerium 2026), sondern regelt Lohnuntergrenzen über mehr als 800 Kollektivverträge, die rund 95 Prozent aller Beschäftigten absichern (Quelle: Sozialministerium). Für Wien heißt das konkret: Was Sie mindestens verdienen, hängt nicht vom Beruf ab, sondern von der Fachgruppe Ihres Betriebs bei der Wirtschaftskammer – und die meisten Kollektivverträge sehen 2026 bereits mindestens 1.900 Euro brutto (14-mal jährlich) vor, was einem rechnerischen Monatslohn von rund 2.216 Euro entspricht (Quelle: WKO/AMS). Wer diese Systematik kennt, kann seine Einstufung überprüfen und in Gehaltsverhandlungen mit belastbaren Zahlen argumentieren.

Wien ist dabei überdurchschnittlich attraktiv: Mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 53.293 Euro liegt die Bundeshauptstadt an der Spitze der Bundesländer, vor Vorarlberg (52.740 €) und Oberösterreich (51.461 €) – im Städtevergleich wird sie nur knapp von Linz übertroffen (53.330 €, Quelle: finanz.at/StepStone-Auswertung, Juni 2026). Doch der Durchschnitt täuscht: Zwischen Gastgewerbe und IT liegen in Wien mehrere zehntausend Euro pro Jahr. Die IT ist mit einem durchschnittlichen Bruttojahresgehalt von 62.673 Euro klar die lohnstärkste Branche (weit über dem österreichweiten Mittel von 51.185 €), gefolgt von Bankwesen und Energiesektor (Quelle: kosmo.at/finanz.at 2026). Ganz oben stehen Ärztinnen und Ärzte mit über 95.000 Euro brutto pro Jahr.

Dieser Praxis-Guide von Wien Today erklärt, wie das österreichische Lohnsystem funktioniert, was der Kollektivvertrag für Sie bedeutet, welche Branchen in Wien am besten und am schlechtesten zahlen und mit welchen Zahlen Sie realistisch rechnen können. Alle Werte sind Stand 2026 recherchiert und mit Quelle genannt; Gehälter hängen stark von Qualifikation, Erfahrung und Betriebsgröße ab, weshalb die genannten Zahlen Orientierungswerte sind. Als Faustregel gilt: Median vor Mittelwert – der Median zeigt, was die Hälfte der Beschäftigten tatsächlich verdient, während der Mittelwert von Spitzengehältern nach oben verzerrt wird.

Mindestlohn in Wien: Warum es keinen gesetzlichen gibt

Anders als Deutschland (gesetzlicher Mindestlohn 13,90 €/Stunde, Stand Januar 2026, Quelle: arbeitsvertrag.org) kennt Österreich keine staatlich festgelegte Lohnuntergrenze. Stattdessen verhandeln die Sozialpartner – Wirtschaftskammer und Gewerkschaftsbund – jährlich die Kollektivverträge (KV) für jede Branche. Dieses System schützt fast alle Beschäftigten, ohne dass der Staat eingreift.

Wichtig zu verstehen: Der für Sie geltende KV richtet sich nach der Fachgruppenzugehörigkeit Ihres Betriebs bei der Wirtschaftskammer – nicht nach Ihrem konkreten Beruf (Quelle: AMS). Ein Buchhalter in einem Bauunternehmen fällt also unter den Bau-KV, nicht unter einen kaufmännischen. Die WKO und ÖGB haben vereinbart, dass kein KV-Mindestlohn unter 1.500 Euro pro Monat liegen soll; faktisch liegen die meisten längst bei mindestens 1.900 Euro brutto (Quelle: WKO).

Wer weniger als das KV-Mindestentgelt zahlt, begeht Unterentlohnung nach § 29 Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz (LSD-BG) – das kann mit Geldstrafen bis zu 50.000 Euro geahndet werden (Quelle: Sozialministerium). Der KV-Schutz umfasst dabei nicht nur den Grundlohn, sondern auch Zulagen, Zuschläge und Sonderzahlungen.

Mindestlohn in Wien: die wichtigsten Kennzahlen 2026

Diese Werte sollten Sie als Orientierung kennen:

KennzahlWert 2026Quelle
Gesetzlicher MindestlohnkeinerAMS/Sozialministerium
KV-Mindestrichtwert (Sozialpartner)1.500 € / MonatWKO
Häufigstes KV-Minimumab 1.900 € brutto (14x)WKO/AMS
Rechnerischer Monats-Mindestlohnca. 2.216 € bruttoWKO
Geringfügigkeitsgrenze551,10 € / Monat2026

Die Geringfügigkeitsgrenze ist keine Lohnuntergrenze, sondern entscheidet über die sozialversicherungsrechtliche Einordnung (Quelle: creditanstalt.co.at 2026).

Zur Einordnung: Das mediane Bruttojahreseinkommen aller unselbstständig Erwerbstätigen in Österreich liegt bei rund 38.043 Euro (2.717 € brutto/Monat, 14x), der Median ganzjährig Vollzeitbeschäftigter deutlich höher bei 55.678 Euro (Quelle: Statistik Austria/AMS, Stand 2024). Median heißt: Die Hälfte verdient mehr, die Hälfte weniger – aussagekräftiger als der Mittelwert, den Spitzengehälter nach oben ziehen.

Gehälter in Wien nach Branche: Wer am besten verdient

Die Branchenunterschiede sind erheblich. Diese Übersicht zeigt die durchschnittlichen Bruttojahresgehälter nach Sektor (Österreich, mit Wien-Bezug):

Branche / BereichØ BruttojahresgehaltEinordnung
Ärztinnen/Ärzteüber 95.000 €Spitzengruppe
IT & Software62.673 €lohnstärkste Branche
Bankwesen/Finanzhoch (Platz 2)über Durchschnitt
Energiesektorhoch (Platz 3)über Durchschnitt
Österreich-Mittelwert51.185 €Referenz
Handel (Einstieg)ca. 25.000–28.000 €KV 2.100–2.300 €/Monat
Gastgewerbeunter Durchschnitt+ Trinkgeld

Quellen: kosmo.at/finanz.at (Juni 2026), finanzinfo.at 2026. Werte sind Durchschnitte; Median liegt meist darunter.

IT & Software führt klar: 62.673 Euro im Schnitt, deutlich über dem Vorjahr (knapp unter 59.000 €) – der Fachkräftemangel treibt die Gehälter (Quelle: kosmo.at). Bankwesen und Energie folgen auf den Plätzen zwei und drei. Am unteren Ende liegen traditionell Handel und Gastgewerbe: Im Handel starten Verkäufer:innen 2026 mit rund 2.100 bis 2.300 Euro brutto/Monat (Quelle: finanzinfo.at), im Gastgewerbe ist das Niveau niedriger, wird aber durch Fachkräftemangel und Trinkgelder ergänzt.

Gehälter in Wien: Was Region und Betriebsgröße ausmachen

Neben der Branche entscheiden Standort und Unternehmensgröße spürbar mit. Wien liegt bei den Bundesländern vorn (53.293 € Jahresdurchschnitt), im Städtevergleich jedoch knapp hinter Linz (53.330 €), gefolgt von Villach, Graz und Salzburg (Quelle: finanz.at, Juni 2026).

Die Betriebsgröße wirkt stark: Am besten zahlen Betriebe mit 1.000 bis 10.000 Beschäftigten – im Schnitt rund 55.800 Euro brutto pro Jahr. Kleine Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitenden liegen mit etwa 49.100 Euro deutlich darunter (Quelle: finanz.at 2026). Für Wiener Arbeitnehmer heißt das: Ein Wechsel in einen größeren Betrieb kann mehr bringen als ein Standortwechsel.

Auch das Alter spielt eine Rolle: Bei den 20- bis 29-Jährigen liegt das Medianeinkommen bei 27.062 Euro, bei den über 60-Jährigen bei 53.518 Euro (Quelle: AMS/Statistik Austria) – ein Beleg für die starke Wirkung von Berufserfahrung und Senioritätsstufen in den Kollektivverträgen.

Mindestlohn in Wien: Teilzeit, geringfügig und Lehrlinge

Nicht jeder arbeitet Vollzeit – für diese Gruppen gelten Besonderheiten:

  • Teilzeit: Das KV-Vollzeitentgelt wird aliquotiert. Beispiel: Ein KV-Mindestgehalt von 2.300 Euro bei 38,5 Wochenstunden ergibt bei 20 Stunden rechnerisch rund 1.194,81 Euro brutto (Quelle: creditanstalt.co.at). Zuschläge und regelmäßige Mehrarbeit erhöhen den Anspruch.
  • Geringfügig Beschäftigte: Die Grenze liegt 2026 bei 551,10 Euro monatlich. Auch sie haben Anspruch auf das anteilige KV-Mindestentgelt. Achtung: Mehrere geringfügige Jobs zusammen können Sozialversicherungspflicht auslösen.
  • Lehrlinge: Sie erhalten kein reguläres Einstiegsgehalt, sondern ein Lehrlingseinkommen, das je nach KV und Lehrjahr steigt (Quelle: creditanstalt.co.at).

Gehälter in Wien: Sonderzahlungen und die 14 Gehälter

Eine österreichische Besonderheit, die Wiener Arbeitnehmer kennen sollten: Fast alle Kollektivverträge sehen 14 Monatsgehälter vor – das reguläre Monatsgehalt plus Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld (13. und 14. Gehalt). Diese Sonderzahlungen werden steuerlich stark begünstigt: Auf sie fällt (nach einem Freibetrag) eine feste Lohnsteuer von nur 6 Prozent an (Quelle: finanzinfo.at 2026).

Das erklärt, warum Gehaltsangaben in Österreich fast immer „brutto, 14-mal“ lauten. Wer ein Monatsgehalt vergleicht, sollte immer prüfen, ob 12 oder 14 Zahlungen gemeint sind – der Unterschied macht rund 16,7 Prozent aus. Ein KV-Monatslohn von 1.900 Euro brutto ergibt über 14 Zahlungen einen rechnerischen Monatsdurchschnitt von etwa 2.216 Euro.

Mindestlohn & Gehälter in Wien: Was 2026 gilt und sich ändert

Mehrere Entwicklungen prägen die Lohnlandschaft 2026:

  • KV-Erhöhungen zwischen 3 und 5 Prozent je nach Branche – nach den starken Inflationsjahren flacht die Dynamik ab (Quelle: finanzinfo.at).
  • Fachkräftemangel treibt Löhne besonders bei einfachen und mittleren Qualifikationen sowie in der IT.
  • EU-Lohntransparenzrichtlinie: verlangt mehr Gehaltstransparenz und erleichtert die Durchsetzung gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit (Quelle: finanzinfo.at).
  • Mindestlohn-Debatte: Ein gesetzlicher Mindestlohn wird politisch immer wieder diskutiert, ist aber nicht in Sicht – das KV-System gilt als bewährte Alternative (Quelle: WKO).

Gehälter in Wien: So prüfen und verhandeln Sie richtig

Konkrete Schritte, um Ihr Gehalt einzuordnen und zu verbessern:

  1. KV finden: Auf kollektivvertrag.at oder über WKO/Arbeiterkammer den für Ihren Betrieb geltenden Kollektivvertrag nachsehen.
  2. Einstufung kontrollieren: Prüfen, in welche Verwendungsgruppe und Gehaltsstufe Sie fallen – Fehler bei der Einstufung sind häufig.
  3. Zulagen checken: Überstunden, Erschwernis-, Schmutz- oder Gefahrenzulagen und Sonderzahlungen müssen zusätzlich stimmen.
  4. Marktwert recherchieren: Im AMS-Gehaltskompass (über 1.800 Berufe) und in Branchenvergleichen den realistischen Marktwert ermitteln.
  5. Mit Median argumentieren: In der Verhandlung mit belastbaren Median-Zahlen der eigenen Branche und Region auftreten, nicht mit dem verzerrten Mittelwert.

Tipp: Bei Verdacht auf Unterentlohnung hilft die Arbeiterkammer kostenlos – der KV-Mindestlohn ist einklagbar.

Häufige Fragen zu Mindestlohn und Gehältern in Wien (FAQ)

Gibt es in Wien einen gesetzlichen Mindestlohn? Nein. Österreich und damit Wien haben keinen gesetzlichen Mindestlohn. Lohnuntergrenzen regeln über 800 Kollektivverträge, die rund 95 Prozent der Beschäftigten absichern.

Wie hoch ist der Mindestlohn in Wien 2026? Es gibt keine einheitliche Zahl. Die meisten Kollektivverträge sehen mindestens 1.900 Euro brutto (14x) vor, was rund 2.216 Euro rechnerischem Monatslohn entspricht. Der Richtwert der Sozialpartner liegt bei 1.500 Euro.

In welcher Branche verdient man in Wien am meisten? Ärztinnen und Ärzte (über 95.000 € brutto/Jahr) sowie die IT-Branche (Ø 62.673 €) führen, gefolgt von Bankwesen und Energiesektor.

Was ist das Durchschnittsgehalt in Wien? Rund 53.293 Euro brutto pro Jahr – Spitzenwert unter den Bundesländern. Der Median aller Beschäftigten in Österreich liegt bei etwa 38.043 Euro.

Warum werden Gehälter „14-mal“ angegeben? Fast alle Kollektivverträge sehen 14 Monatsgehälter vor (inkl. Urlaubs- und Weihnachtsgeld). Diese Sonderzahlungen werden mit nur 6 Prozent Lohnsteuer begünstigt.

Was gilt für Teilzeit und geringfügige Beschäftigung? Bei Teilzeit wird das KV-Vollzeitentgelt anteilig berechnet. Die Geringfügigkeitsgrenze liegt 2026 bei 551,10 Euro monatlich; auch hier gilt das anteilige KV-Mindestentgelt.

Was tun bei Unterbezahlung? Unterentlohnung ist nach dem LSD-BG strafbar (bis 50.000 € Geldstrafe). Die Arbeiterkammer berät kostenlos, der KV-Mindestlohn ist einklagbar.

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