Zum Schulbeginn am Montag, 14. September 2026, gehen die ÖBB-Tunnel im Unterinntal nach 64 Tagen Bauzeit zwischen Kundl und Baumkirchen wieder uneingeschränkt in den regulären Betrieb. Die Arbeiten konzentrierten sich auf den Münsterer- und den Terfenertunnel, die jeweils rund 16 Kilometer lang sind. Künftig fahren Züge dort ausschließlich mit digitaler Zugbeeinflussung, die bisherigen ortsfesten Lichtsignale wurden entfernt, die Blockteilung wurde verdichtet und in Vomp steht eine neue unterirdische Überholmöglichkeit zur Verfügung. Die ÖBB melden den Abschluss der wesentlichen Arbeiten im vorgesehenen Zeitplan zum Tiroler Schulbeginn. Das berichtet WIENtoday.at unter Berufung auf die Angaben des Bahnkonzerns.
Für Fahrgäste ist vor allem die Rückkehr des Regionalverkehrs relevant. Während der Sommerarbeiten mussten die Züge auf die oberirdische Bestandsstrecke ausweichen, was längere Fahrzeiten und zeitweise entfallende Halte verursachte. Ab Montag fährt die S-Bahn zwischen Innsbruck und Jenbach wieder zweimal pro Stunde. Im Fernverkehr ist die Baustellenphase dagegen noch nicht vollständig beendet: Wegen paralleler Arbeiten im Netz der Deutschen Bahn nennt die ÖBB weiterhin Einschränkungen, einzelne Fahrplanänderungen reichen bis 16. September. Die aktuelle ÖBB-Baustelleninformation weist deshalb weiter auf geänderte Verbindungen zwischen Salzburg, Wörgl und Innsbruck hin.
Für den Regionalverkehr endet damit am 14. September die zentrale sommerliche Einschränkung im Tiroler Unterinntal.
Was die ÖBB in 64 Tagen an der Unterinntalbahn umgebaut haben
Die Unterinntalbahn zwischen Kundl und Baumkirchen ist seit 2012 in Betrieb und umfasst rund 40 Kilometer Neubaustrecke. Etwa 34 Kilometer verlaufen laut ÖBB-Infrastruktur in Tunneln. Mehr als 200 Züge nutzen nach Angaben der ÖBB heute täglich die Tunnelanlagen auf diesem Abschnitt, weshalb zusätzliche Kapazität nicht allein durch neue Gleise, sondern auch durch Änderungen an Sicherungstechnik und Betriebsführung geschaffen wird. Personenzüge können auf der Neubaustrecke mit bis zu 220 km/h verkehren.
Die Umbauphase begann am 10. Juli. Zunächst arbeiteten die Bautrupps bis 25. Juli im östlichen Abschnitt des Münsterertunnels zwischen Radfeld und Jenbach. Danach war die gesamte Neubaustrecke drei Tage gesperrt; ab 28. Juli konzentrierten sich die Arbeiten auf den westlichen Terfenertunnel. Die Gesamtfertigstellung war von Beginn an für den 14. September vorgesehen. Die wichtigsten Bauleistungen beziffert die ÖBB wie folgt:
- 64 Tage Gesamtbauzeit im Münsterer- und Terfenertunnel
- acht neue Weichen
- 2.000 Meter Gleisbau in Fester Fahrbahn ohne Schotterbett
- 25.000 Meter neu verlegte Kabel
- 800 Meter Oberleitung
- 75 Mess- und Testfahrten
Die Zahlen zeigen, dass das Projekt über eine reine Umstellung der Signaltechnik hinausging. Besonders der Gleis- und Weicheneinbau in Vomp schafft eine zusätzliche betriebliche Option, die beim ursprünglichen Tunnelbau bereits baulich vorbereitet worden war.
ETCS Level 2 ersetzt die Lichtsignale
Das ETCS Level 2 übernimmt auf dem Neubaustreckenabschnitt im Unterinntal die Zugbeeinflussung ohne ortsfeste Lichtsignale für Zugfahrten. In den Schienennetz-Nutzungsbedingungen 2026 führt die ÖBB den Abschnitt zwischen Knoten Radfeld und Abzweigung Fw 2 ausdrücklich als ETCS-Level-2-Strecke. Für reguläre Fahrten müssen die eingesetzten Fahrzeuge über eine taugliche und aktive ETCS-Level-2-Ausrüstung sowie GSM-R verfügen. Fahrzeuge ohne geeignete Ausrüstung müssen auf kompatible Bestandsstrecken umgeleitet werden.
„Ab sofort verwenden alle Züge in den beiden rund 16 Kilometer langen Tunneln nur mehr das digitale Zugbeeinflussungssystem ETCS.“ (ÖBB, Presseinformation vom 11. September 2026)
Neu ist zugleich die dichtere Blockteilung. Ein Streckenabschnitt kann dadurch betrieblich feiner unterteilt werden, sodass Züge unter Einhaltung der Sicherungsabstände in kürzeren zeitlichen Abständen aufeinander folgen können. Die ÖBB veröffentlicht für das Upgrade keine konkrete Zahl zusätzlicher Züge pro Stunde, nennt die Blockverdichtung aber ausdrücklich als Maßnahme zur Erhöhung der Streckenkapazität.
| Bereich | Bis zum Umbau 2026 | Nach dem Tunnel-Upgrade |
|---|---|---|
| Zugbeeinflussung | ETCS mit ergänzenden Lichtsignalen | ETCS Level 2 ohne ortsfeste Lichtsignale |
| Blockteilung | bisherige Sicherungsabschnitte | zusätzliche Blockverdichtung |
| Vomp | Überholanlage baulich vorbereitet | unterirdischer Überholbahnhof in Betrieb |
| Überholungen | geringere betriebliche Flexibilität | Güterzüge können schnellere Züge passieren lassen |
| Regionalverkehr | Einschränkungen während der Bauphase | S-Bahn Innsbruck–Jenbach wieder halbstündlich |
Die zusätzliche Kapazität entsteht damit nicht aus einer höheren Spitzengeschwindigkeit, sondern aus dichterer Zugfolge und einer neuen Überholmöglichkeit.
Überholbahnhof Vomp schafft Platz für schnellere Züge
Der Überholbahnhof Vomp liegt unterirdisch im Terfenertunnel und ist für den Mischverkehr aus Personen- und Güterzügen ausgelegt. Die bauliche Reserve entstand bereits beim Bau der Neubaustrecke vor rund zwei Jahrzehnten. Auf ungefähr zwei Kilometern waren ein drittes und viertes Gleis im Tunnel vorbereitet worden; für die Inbetriebnahme fehlten bisher unter anderem die notwendigen Weichen und die vollständige Bahntechnik. Jetzt wurden acht neue Weichen sowie Gleis-, Oberleitungs- und technische Anlagen eingebaut. Die ÖBB realisierten die Ausrüstung in Kooperation mit der Brenner Basistunnel SE. Im Betrieb kann ein langsamerer Güterzug auf ein Überholgleis wechseln und dort warten, während ein schnellerer Fernverkehrszug vorbeifährt. Anschließend setzt der Güterzug seine Fahrt auf der Hauptstrecke fort.
„Dadurch können noch mehr Züge in kürzeren Abständen durch die Tunnels fahren.“ (ÖBB, Presseinformation vom 9. Juli 2026)
Diese Funktion ist auf einer Strecke mit unterschiedlich schnellen Zugarten betrieblich relevant. Ohne Überholmöglichkeit kann ein langsamer Zug einen nachfolgenden schnelleren Zug über längere Strecken binden. Der Bahnhof Vomp schafft dafür einen zusätzlichen Punkt innerhalb des Tunnelsystems, ohne dass Güterzüge zum Überholen auf die oberirdische Bestandsstrecke wechseln müssen.
Was sich ab Montag für S-Bahn und Fernverkehr ändert
Für den S-Bahn-Verkehr Innsbruck–Jenbach endet mit dem Schulbeginn die wichtigste Einschränkung. Die S-Bahnen fahren ab 14. September wieder im gewohnten Halbstundentakt. Während der Arbeiten war die Neubaustrecke für den regulären Verkehr nicht verfügbar, sodass die oberirdische Strecke zusätzliche Züge aufnehmen musste und im Regionalverkehr Fahrplananpassungen notwendig waren. Für Reisende ergibt sich ab Montag folgende Lage:
- Zwischen Innsbruck und Jenbach kehrt die S-Bahn zum Halbstundentakt zurück. Die durch das Tunnelprojekt verursachten Einschränkungen im Regionalverkehr sind damit weitgehend beendet.
- Interregio-Züge verkehren nach der derzeitigen ÖBB-Baustelleninformation bis 16. September nicht durchgehend zwischen Wörgl und Innsbruck, sondern beginnen beziehungsweise enden in Wörgl. Railjet-Xpress-Züge halten als Ersatz zusätzlich in Jenbach.
- Im Fernverkehr zwischen Salzburg und Innsbruck bleiben bis 16. September Fahrplanabweichungen möglich. Züge aus Richtung Wien und Salzburg können Innsbruck später erreichen, in Gegenrichtung sind teilweise frühere Abfahrten vorgesehen.
Damit fallen zwei Baustellenlagen zeitlich nicht exakt zusammen. Das Tunnel-Upgrade im Unterinntal endet planmäßig zum 14. September, während weitere Änderungen im Fernverkehr wegen der Arbeiten im deutschen Bahnnetz noch darüber hinausreichen. Für Verbindungen über Salzburg oder Deutschland bleibt deshalb die aktuelle Fahrplanauskunft maßgeblich.
Die Wiedereröffnung der Tunnel bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ab Montag jede Fernverkehrsverbindung wieder nach dem normalen Fahrplan fährt.
Warum das Upgrade für den Brenner-Nordzulauf relevant ist
Die Strecke Kundl–Baumkirchen gehört zum Brenner-Nordzulauf und übernimmt bereits heute einen erheblichen Teil des Personen- und Güterverkehrs durch das Tiroler Unterinntal. Über die Verknüpfung in Baumkirchen ist der Abschnitt in die Brennerachse eingebunden. Richtung Kufstein planen die ÖBB weitere Ausbauabschnitte, während südlich von Innsbruck der Brenner Basistunnel entsteht.
Für die vorhandene Strecke bedeutet das Upgrade vor allem mehr betriebliche Flexibilität. Die Blockverdichtung zielt auf kürzere Zugfolgezeiten, Vomp schafft eine zusätzliche Überholmöglichkeit und der signaltechnische Betrieb wird konsequent auf ETCS Level 2 konzentriert. Gerade auf einer gemischt genutzten Strecke ist nicht nur die Zahl der Gleise entscheidend, sondern auch die Frage, wie schnell unterschiedlich schnelle Züge hintereinander disponiert und voneinander getrennt werden können. Der Ausbau beseitigt allerdings nicht jeden Kapazitätsengpass der gesamten Brennerachse. Kundl–Baumkirchen ist der bereits seit 2012 bestehende Neubauabschnitt; die Fortsetzungen Schaftenau–Radfeld und Kufstein–Schaftenau bilden eigene Ausbauprojekte. Das jetzt abgeschlossene Tunnelprojekt nutzt zunächst Reserven, die innerhalb der bestehenden Infrastruktur bereits vorbereitet waren.
Fragen und Antworten zum ÖBB-Tunnel-Upgrade

Wann sind die Tunnel wieder regulär nutzbar?
Der uneingeschränkte Betrieb ist zum Schulbeginn am Montag, 14. September 2026, vorgesehen. Die ÖBB melden den planmäßigen Abschluss der wesentlichen Arbeiten nach insgesamt 64 Tagen.
Welche Tunnel wurden modernisiert?
Betroffen waren der Münsterertunnel im östlichen Abschnitt und der Terfenertunnel im westlichen Teil der Neubaustrecke Kundl–Baumkirchen. Beide Tunnel sind jeweils ungefähr 16 Kilometer lang.
Was ändert sich durch ETCS?
Die Züge verkehren auf dem betroffenen Neubaustreckenabschnitt mit ETCS Level 2 ohne ortsfeste Lichtsignale für Zugfahrten. Zusätzlich wurden die Blockabstände verdichtet, damit Züge betrieblich in kürzeren Abständen folgen können.
Wozu dient der Bahnhof Vomp im Tunnel?
Der unterirdische Bahnhof ermöglicht Überholungen innerhalb der Neubaustrecke. Langsamere Güterzüge können auf die zusätzlichen Gleise ausweichen, während schnellere Personenzüge passieren. Acht neue Weichen erschließen die rund zwei Kilometer lange, bereits beim ursprünglichen Tunnelbau vorbereitete Anlage.
Fährt die S-Bahn wieder normal?
Zwischen Innsbruck und Jenbach soll die S-Bahn ab 14. September wieder im Halbstundentakt fahren. Im Fernverkehr können wegen weiterer Arbeiten im Netz der Deutschen Bahn noch bis mindestens 16. September fahrplanmäßige Abweichungen bestehen.
Verwendete Materialien: ÖBB-Holding AG Presseinformation vom 11. September 2026, ÖBB-Holding AG Presseinformation vom 9. Juli 2026, ÖBB-Infrastruktur Projektinformationen Kundl–Baumkirchen, ÖBB Schienennetz-Nutzungsbedingungen 2026, ÖBB Baustelleninformation Deutsche Bahn, bereitgestellte Ausgangsmeldung
